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Die Geschichte der Greifswalder Boddenetappen begann im Jahre 1970. Das Segelrevier des Greifswalder Boddens war zu dieser Zeit ein eher geschlossenes Revier. Nachtfahrten waren verboten. Häufig lagen Grenzboote zwischen Thiessow und Peenemünde. Auf der Insel Ruden waren Grenzsoldaten stationiert. Insel Vilm war gesperrt. Große Törns, wie z.B. eine Rundung der Insel Rügen waren nicht ohne Weiteres möglich. Alle diese Faktoren machten das Regattasegeln auf dem Greifswalder Bodden kompliziert. Und so gab es zu dieser Zeit auch noch keine touristische Wettfahrten mit mehreren Etappen über den Bodden. Den bereits 1908 gegründete Akademische Seglerverein (kurz ASV) gab es zu DDR Zeit ebenfalls nicht. Initiator der Boddenetappen war die Hochschulsportgemeinschaft der Universität Greifswald (kurz HSG Uni Gryps). 

Zu den Initiatoren der Boddenetappen in dieser Zeit gehören viele engagierte Segler der HSG Uni Greifswald. Stellvertretend sind hier Dr. Hort Lubs, Töns Föste und Siegfried Wussow zu nennen, ohne die es diese Regatta heute nicht geben würde. Sie verfolgten die Idee, trotz den schwierigen Rahmenbedingungen, eine Regatta über den Greifswalder Bodden zu organisieren, bei der mehrere Häfen angelaufen werden und die auch bis in die Nachtstunden reichen durfte. Als Termin wurde das letzte Wochenende im August gewählt, da dieser Zeitraum nach dem Urlaub liegt und auch schulpflichtige Kinder an einer Nachtfahrt teilnehmen konnten (Vgl. Jahrbuch des ASV 1998, S. 63).

 

Foto: Eine der ersten Boddenetappen beim Auslaufen aus dem Yachthafen Greifswald-Wieck. Foto: ASV (1998).

 

Die erste Regatta startete 1971 mit 15 gemeldeten Yachten. Freitag abends startete die Regatta in Greifswald-Wieck mit gleichem Ziel. Am Samstag ging es von Greifswald-Wieck nach Gager und am Sonntag nach Stahlbrode. 1972 waren es schon 25 gemeldete Yachten, die auf dem gleichen Kurs über den Bodden segelten. 1973 nahmen die ersten Tschechischen Yachten an der Regatta teil. Das Teilnehmerfeld wuchs über die Jahre immer weiter an. Die Etappen wurden zum Austragungsort des Titels des Tschechischen Seeseglermeisters oder zum Bezirksmeister von Leipzig. Einige Segler nutzten die Boddenetappen auch als Vorbereitung für die Regatta Greifswald-Wieck nach Warnemünde. Gesegelt wurden in Klasse IOR und KR-vermessene Yachten, aber es gab auch eine typenoffene „Eimerklasse“.

Das Regattakonzept wurde jedes Jahr immer weiter verbessert und die vielen kleinen Probleme gelöst. Es gab immer wieder kleinere Probleme bei Zieleinfahrten am Molenkopf, Siegerehrungen am Abreisetag, die Rundung der Tonne und des Riffs vor Lauterbach oder die ansteigenden Teilnehmerzahlen in den zu kleinen Häfen. Die Wettfahrtergebnisse wurden in den Anfangsjahren noch mit mechanischen Rechenmaschinen während der Wettfahrt ermittelt, später mit Taschenrechnern aus dem Westen. Im Wendesommer 1989 gingen dann 122 Boote an den Start. Vor allem die Bootsklasse Hiddensee Vierteltonner dominierte bis zur Wende das Regattafeld auf dem Bodden. (Vgl. auch Jahrbuch des ASV (1998), S. 63ff und Klempert (2010), in Die Welt).

 

 Foto: Samstag auf den Boddenetappen, Spikurs (vermutlich in der Nähe von Groß Zicker). Foto: ASV (1998).

 

Mit der Wende änderte sich vieles für die Boddenetappen, denn durch die offenen Grenzen war die Neugier der Segler für fremde Länder größer geworden. Die Boddenetappen starteten 1990 unbeirrt mit 37 Yachten. Das Konzept wurde fortgeführt und wuchs mit den neuen Möglichkeiten. Der wieder gegründete Akademische Seglerverein e. V. übernahm die Organisation der Boddenetappen und führte damit sogar die junge Tradition der HSG Uni Greifswald aus der DDR Zeit weiter.

1997 waren es wieder 80 teilnehmende Yachten. Dabei zeichnete sich der Trend zu immer größeren und schnelleren Yachten ab. Vor allem der auf dem Bodden häufig gesegelte Hiddensee Bootstyp muss sich nun gegen viele neue Konstruktionen behaupten. 2007 übernahm mit David Wilke die nächste Generation die Leitung der Boddenetappen. In den darauf folgenden Jahren wuchs die Regatta von 83 Yachten im Jahr 2011 auf zuletzt 91 Yachten in 2015 wieder an. Heute kommen die Organisatoren aus allen unterschiedlichen Seglervereinen Greifswalds unter der Schirmherrschaft des ASV und mit seglerischen Wurzeln in der HSG.

 

Einer der Sieger der Boddenetappen 2015, auf einer FARR 30. Foto: Uvarova (2015).

 

Gesegelt wird nun in 4 Yardstick-Klassen nach ISAF Regeln. Für die sehr sportlichen Schiffe wurde die ORC Klasse geschaffen. In dieser Klasse wurden 2015 erstmals professionelle Up-/Down-Kurse gesegelt. Gleichermaßen ist die Regatta aber weiterhin auch für die Familienklasse offen, um auch sehr junge Teilnehmer an die Regatta heran zu führen. Denn diese Generation wird eines Tages die Tradition der Boddenetappen auch weiterführen. Wir danken allen Organisatoren, Helfern und Sponsoren, welche die inoffizielle"Bodden WM" jedes Jahr unterstützen. Hier vor allem auch Danke an Töns Föste, der die Regatta jahrelang betreut hat und Informationen über ihre Geschichte bereitgestellt hat.

 

von Johannes Gomolka

 

 

 

Quellen und zum Nachlesen:

  • Jahrbuch des ASV (1998)
  • Akademischer Seglerverein Greifswald (2008): 100 Jahre Akademischer Seglerverein zu Greifswald e.V. 1998-2008, 1. Auflage, Juni 2008 (Hier gehts zum Link).
  • Klempert, Oliver (2010): Segeln vor und nach der Wende, erschienen in: Die WELT, am 4. 9. 2010, abgerufen am 6. 3. 2016 (Hier gehts zum Link). 

 

 

 

Veranstalter:

 

In Kooperation mit:

   Wettfahrtleiter:    Organisation:

ASV zu Greifswald e.V.
Yachtweg 4
17493 Greifswald/Wieck

    

Greifswalder Yachtclub e.V.
Wiecker Yachtclub e.V.
17493 Greifswald-Wieck

    

David Wilke
Mobil: 0171 4615758 

   

Annett Matthiessen
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